
Maren Uhligs sanfte Märchenerzählerstimme nahm alle Anwesenden im Bachstübl mit auf eine Reise in eine romantische und verspielte Welt zwischen Mythen und Realität.
Im Rahmen der Buchmesse stellte sie ihr Buch “Rote Zungen - Blaue Stimmen. Texte vom Feuer und Wasser” vor, das als erster von zwei Doppelbänden zu den vier Elementen Anfang April erscheinen soll.
Jedes der Elemente darin wird auf dreierlei Art einzeln vorgestellt. Vorangestellt sind einige Gedichte Uhligs, die in ihrem Ausdruck den Blickwinkel der Autorin auf das Element deutlich machen. Die Lyrik, die sie im Bachstübl zu Feuer und Wasser vortrug, ist sehr bildhaft und voller Sprach- und Wortspiele. Sie findet darin einen poetischen Ausdruck ihrer Wahrnehmung des Einsseins mit der Natur, welcher den Gedichten eine kindliche Frische und gleichzeitig eine gewisse philosophische Tiefe gibt.
Auf den Lyrikteil folgt eine Erzählung, der jeweils ein Prolog vorangestellt ist, der kurz die Entstehung des Elements aus mythologischer Sicht erklärt und den Rahmen für die folgende Geschichte steckt.
Die Erzählung zum Feuer, der sich Maren Uhlig bei der Lesung widmete, führt den Leser zu Mittsommernächten an den “Ales Stenar” - eine riesige Findlingsformation im Süden Schwedens. Um diesen kulturellen und mythologischen Knotenpunkt ranken sich zwei ineinander verflochtene Liebesgeschichten.
Wer weiterhin auf eine farbenfrohe und verspielte Sprache gehofft hatte wird jedoch zunächst enttäuscht. Eher sachlich und geradlinig beginnt die Erzählung aus der Sicht eines älteren Mannes. Der Sog der Geschichte zieht aber spätestens ab dem zweiten Perspektivwechsel den Leser wieder mit sich, da nun der Sohn des Mannes - ein Künstler und Freigeist - den Blickwinkel vorgibt. Die Sprache gleicht sich dem Ausdruck von Uhligs Gedichten an und scheint greifbarer und ausdruckstärker. Inseln blumiger Metaphern durchziehen die Erzählung und lassen die Liebe und Sehnsucht mitempfinden, die sich in der Geschichte durchsetzt.
In den letzten Zeilen gelingt ihr ein unerwarteter Wendepunkt, der den Leser nachdenklich aus der Erzählung entlässt.
Im Buch folgt hieraufhin der dritte Teil, welcher sich mit den mythologischen und kulturellen Hintergründen des Elements auseinandersetzt.
Diesen Sachteil ließ Maren Uhlig zur Lesung jedoch aus und stellte stattdessen eine offene Diskussion ans Ende des Abends, welche Prof. Dr. Elmar Schenkel leitete. Beide eint die Arbeit für den Arbeitskreis für vergleichende Mythologie e.V.
Alles in allem: anderthalb kurzweilige rotblaue Stunden.
Anja Enigk